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Waldbrandbekämpfung // WFF

Seit nunmehr fast 20 Jahren befasst sich @fire mit der Ausbildung ihrer Mitglieder in der überregionalen Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung und verfügt so mittlerweile über ständig einsatzbereite Spezialkräfte. Diese Crews sind spezialisiert auf

  • den Schutz von Häusern (structure protection)
  • den schnellen Erstangriff eines Brandherdes (initial attack) ggf. auch per Helikopter
  • das direkte Arbeiten an der Flammenfront (hot lining)
  • das indirekte Arbeiten an der Feuerfront durch Anlegen von Schutzschneisen und dem Ausbrennen dieser Schneisen (Burnout)

Der Vorteil dieser Crew ist die schnelle Einsatzbereitschaft, der problemlose Transport und die hohe Mobilität. Nicht nur in schwer zugänglichen Regionen hat sich diese Einsatzform bewährt. In der Kombination mit Wasserabwürfen von Flugzeugen / Helikoptern und sofern das gelände zugänglich ist mit Löschfahrzeugen kann eine Handcrew dann ihre volle Schlagkraft entfalten.

Eine schnelle Einsatzbereitschaft ist dadurch gegeben, dass für den Transport alle Einsatzmaterialien wie Handwerkzeuge, Motorkettensägen, kleine Pumpen mit Schläuchen und Armaturen, Kommunikations- und Einsatzlogistik in Transportkisten verpackt und ständig einsatzbereit sind. Eine Handcrew umfasst je nach Einsatzlage 10 bis 20 Mitglieder.

@fire-Delegation besucht Behörden und Organisationen der Gefahrenabwehr in Portugal

Eine @fire-Delegation war im September für rund eine Woche in Portugal in verschiedenen Regionen, um eine künftige Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und Organisationen zu planen und die Gegebenheiten Vorort kennenzulernen. Aufgrund der aktuellen Covid-19-Pandemie konnte die ursprünglich geplante Hospitation in Gruppenstärke im aktiven Einsatzdienst bei Vegetationsbränden nur marginal umgesetzt werden. Alle Besuche fanden im öffentlichen Raum stets unter Einhaltung des Mindestabstandes sowie unter Mund-Nasenschutzbedeckung mit medizinischen Schutzmasken statt:

Ein erster Kontakt mit einer kommunalen Feuerwehr in Sintra auf der Feuer- und Rettungswache der Bombeiros Voluntarios de sao Pedro de Sintra war bereits vielversprechend. In Sintra wurden die Feuerwache sowie Einsatzfahrzeuge ausführlich begutachtet. Man tauschte Taktiken und Strategien in der Vegetationsbrandbekämpfung aus und bekam eine Führung durch Übungsanlagen für die Heißausbildung sowie Notlagen in Passagierflugzeugen. Ein weiterer Austausch wurde von beiden Seiten bekundet.

Anschließend reiste die Delegation nach Torres Vedras, 53km nördlich von Lissabon. Der Hauptort des gleichnamigen Kreises befindet sich in einer hügeligen, buschigen und kleinbergigen Landschaft inmitten von Weinbergen und beginnenden Pinien sowie Eukalyptus Forstbeständen, welche in größere Waldgebiete übergehen. Der Kreis Torres Vedras umfasst 408 km² und beherbergt gut 80.000 Einwohner.

Generell trafen wir in jeglicher Hinsicht eine sehr gute Infrastruktur mit offener Mentalität an. Die Feuerwehr „Associcao Humannitari Bombeiros Voluntarios de Torres Vedras“ sitzt direkt im Hauptort mit einer großen Feuerwache und unterhält neben der Hauptwache zwei weitere Feuer- und Rettungswachen. Durch das Networking eines Vereinsmitgliedes, welches seit über 20 Jahren gepflegt wird, stießen wir stets auf einen freundlichen und professionellen Austausch. Die Feuerwehr Torres Vedras gliedert sich, wie in Portugal bei den meisten Feuerwehren üblich, in eine hauptamtliche sowie eine ehrenamtliche Abteilung, die 24/7 auf der Wache anzutreffen ist. Von insgesamt 34 Einsatzfahrzeugen stehen rund 12 Fahrzeuge hauptsächlich für die Vegetationsbrandbekämpfung bereit und sind entsprechend ausgebaut und ausgestattet. Jedes Jahr fallen knapp 200 Vegetationsbrände in der Saison an. Ein nicht unerheblicher Anteil entfällt auf überörtliche Hilfe in umliegenden Kreisen mit Anfahrten von gut zwei Stunden in eine Richtung. 2019 verbrannten 41 Hektar Waldfläche alleine in Torres Vedras. Durch Hygienebestimmungen beschränkten wir unsere Exkursion auf den mündlichen Austausch sowie Begutachtung der Einsatzfahrzeuge und kurze Trainings mit Hochdruckpumpen und D-Material um Sprühbild sowie Handling vergleichen zu können. Durchweg sehr interessante Gespräche und zahlreiche Erfahrungen konnten gewonnen werden. Für nächstes Jahr wurde festgehalten einen Austausch im operativen Dienst zu planen.

Der nächste Termin fand in Küstennähe nördlich von Torres statt. Dort trafen wir uns mit einer Einheit der Sapadores Florestais (Waldbrandbekämpfer des Forstes). Hierbei handelt es sich um Forstmitarbeiter mit einer Zusatzqualifikation zur Brandbekämpfung, welche mit wasserführenden gelben Pickups sowie Handwerkzeugen unter Führung der Feuerwehr in der Hochsaison bei Vegetationsbränden aktiv werden. Auch hier sehr interessant die Verwendung von Hochdruckpumpen in Verbindung mit einigen hunderten Meter D-Schlauch.

Am nächsten Tag stand unter anderem ein Besuch der Feuerwehr Penela im Distrikt Coimbra auf der Agenda. Hierbei wurden auch zwei Führungskräfte der Feuerwehr Torres Vedras mitgenommen. Penela ist eine Stadt mit 6000 Einwohnern und einem zugehörigen Kreis mit 145 km². Rund 17 Einsatzfahrzeuge und fünf Rettungswagen stehen zur Verfügung, zehn davon speziell zur Vegetationsbrandbekämpfung. Die Ausstattung ähnelte deren von Torres Vedras, wobei in Penela ein Tragegeschirr mit Shelter und Wasserblase getragen wird. Die Einsatzfrequenz ist im Vergleich zu Torres Vedras geringer, jedoch besteht in Penela die Gefahr, dass Vegetationsbrände sehr schnell aus ihrer Dynamik heraus katastrophale Ausmasse annehmen können. Dies erfordert wiederum eine zügige und äußerst aggressive Löschtaktik. Neben der großen Feuerwache wird ein großes Übungsgelände für die Brandbekämpfung wie auch Technische Hilfeleistung vorgehalten. Im Gespräch mit einem deutschsprachigen Kameraden aus Penela wurden wir informiert, dass auch für uns eine Hospitation mit weiteren @fire-Kameraden operativ möglich wäre. Der Kommandant der Feuerwehr Penela steht einem Austausch sehr offen gegenüber. Deutlich spürbar wurde diese Offenheit Neuem gegenüber, als wir mit dem fast neuem GTLF alte Brandgebiete in schwierigem Gelände abgefahren sind.

Nach dem Besuch, der sowohl für uns @fire-Einsatzkräfte, als auch für die mitgekommenen Kameraden aus Torres Vedras sehr lehrreich gewesen war, stand ein Besuch der Feuerwehrschule Lousa an, die sich wenige Fahrtminuten von Penela entfernt befindet. Diese Schule legt ihren Ausbildungsschwerpunkt komplett auf die Vegetationsbrandbekämpfung und befindet sich direkt am Heliport und Flugplatz von Lousa. Dort wiederum hat die Guarda Nacional Republicana (GNR), sprich die Sicherheitspolizei (Teil der Streitkräfte) mit Spezialeinsatzkräften (GIPS) zur Vegetationsbrandbekämpfung einen Sitz.

Neben der Einheit GIPS befindet sich eine weitere Spezialeinheit auf dem Schulgelände, die Forca Especialn de Bombeiros, auch Canarinhos genannt (Spezialeinheit der Feuerwehr). Insgesamt stehen den Einsatzkräften drei Helikopter mit Handwerkzeugen, Wasserrucksäcken und Bambi Buckets in Lousa zur Verfügung. Die Einsatzkräfte agieren unabhängig vom Schulbetrieb, ein Austausch war jedoch möglich. In einer Präsentation konnte uns die Ausbildungskoordinatorin eine ganze Bandbreite an Kursangeboten präsentieren, die auch in Englisch abgehalten werden könnten. Ein weiterer Austausch mit allen Beteiligten ist geplant.