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Waldbrandbekämpfung // WFF

Seit nunmehr fast 10 Jahren befasst sich @fire mit der Ausbildung ihrer Mitglieder in der überregionalen Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung und verfügt so mittlerweile über ständig einsatzbereite Spezialkräfte. Diese Crews sind spezialisiert auf

  • den Schutz von Häusern (structure protection)
  • den schnellen Erstangriff eines Brandherdes (initial attack) ggf. auch per Helikopter
  • das direkte Arbeiten an der Flammenfront (hot lining)
  • das indirekte Arbeiten an der Feuerfront durch Anlegen von Schutzschneisen und dem Ausbrennen dieser Schneisen (Burnout)

Der Vorteil dieser Crew ist die schnelle Einsatzbereitschaft, der problemlose Transport und die hohe Mobilität. Nicht nur in schwer zugänglichen Regionen hat sich diese Einsatzform bewährt. In der Kombination mit Wasserabwürfen von Flugzeugen / Helikoptern und sofern das gelände zugänglich ist mit Löschfahrzeugen kann eine Handcrew dann ihre volle Schlagkraft entfalten.

Eine schnelle Einsatzbereitschaft ist dadurch gegeben, dass für den Transport alle Einsatzmaterialien wie Handwerkzeuge, Motorkettensägen, kleine Pumpen mit Schläuchen und Armaturen, Kommunikations- und Einsatzlogistik in Transportkisten verpackt und ständig einsatzbereit sind. Eine Handcrew umfasst je nach Einsatzlage 10 bis 20 Mitglieder.

@fire und THW: Gemeinsamer Workshop „Gebirgsbrandbekämfung“ in Oberhof

Oberhof – mit diesem Ort verbindet man in erster Linie internationalen Wintersport, etwa den Biathlon-Weltcup oder Rennrodeln. Vor der Kulisse dieses bekannten Wintersportortes trainierten Einsatzkräfte von @fire, der SUEWA des THW Lüchow-Dannenberg, des THW Suhl und der Pompieeen Monnerech (Luxemburg) von Himmelfahrt bis zum Samstag, 31. Mai 2014, die Bekämpfung von Bergwaldbränden. Organisiert hatte den Workshop der Ortsbeauftragte des THW Lüchow-Dannenberg, Dr. Michael Herrmann, der gleichzeitig Leiter der auf Waldbrandbekämpfung spezialisierten SUEWA des THW ist.

Anders als Waldbrände in Norddeutschland sind die Brandflächen in den Bergen nur selten mit Fahrzeugen zu erreichen – mit der Folge, dass eine Bekämpfung dieser Brände mit der von den Feuerwehren üblicherweise fahrzeuggestützten Taktik kaum möglich ist. Die erforderlichen Gerätschaften müssen daher von den Einsatzkräften mühsam per Hand an die Brandherde getragen und die Löscharbeiten dort im steilen und unwegsamen Gelände auch per Hand ohne die sonst gewohnte Löschwasserversorgung vorgenommen werden. Diese Arbeit ist nicht nur körperlich sehr anstrengend – sie ist zudem sehr gefährlich. Neben den üblichen Risiken bei Arbeiten am Berg, wie Abstürze oder Steinschlag, kann auch das Feuerverhalten bei einem solchen Bergwaldbrand eine erhebliche Gefährdung der Einsatzkräfte darstellen und ihnen insbesondere den Rückzugsweg abschneiden. Mit teils tödlichen Folgen, wie der tragische Unfall beim Yarnell Hill Fire in den USA im vergangenen Jahr zeigte. Dort kamen 19 Waldbrandbekämpfer (Hotshots) bei einem solchen Vorfall ums Leben. „Der Fokus dieses Workshops liegt daher absolut auf der Sicherheit der Einsatzkräfte. Die Beachtung spezieller Sicherheitsregeln ist unsere Lebensversicherung bei dieser gefährlichen Arbeit“, betont Louis Evert (@fire), einer der Ausbildungsleiter des Workshops. Und die Vermittlung des notwendigen Wissens erfolgte in aller Gründlichkeit. Am ersten Tag (Himmelfahrt) erhielten die 26 Teilnehmer des Workshops eine theoretische Unterweisung in die Besonderheiten der Bekämpfung von Bergwaldbränden. Um die Gefahrenlagen zu veranschaulichen, wurden Unfälle der vergangenen Jahre analysiert und mögliche Szenarien im Unterrichtssaal durchgespielt, bevor die Einsatzkräfte dann am Steilhang der „12 Apostel“, einem beliebten und anspruchsvollen Klettergebiet nahe Oberhof, das Arbeiten an Steilhängen und Geröllhalden trainierten. Und dies bei widrigen Witterungsbedingungen: 8 Grad und Nieselregen. Besonders das Sichern und Abseilen von Einsatzkräften und Material wurde dabei immer wieder geübt. Gegen 23:00 Uhr endete der erste Ausbildungstag mit einem „Shelter Training“, bei dem die Teilnehmer die richtige Handhabung von „Fire Sheltern“ trainierten. Diese „Schutzzelte“ dienen den Einsatzkräften im Einsatzfall als letzter Rückzugsort, wenn sie vom Feuer eingeschlossen werden und ihnen der Rückzugsweg abgeschnitten ist.

Nach einer kurzen Nacht in den Feldbetten ging es am nächsten Tag bereits früh wieder ins Gelände. Auf dem Programm standen das Verlegen von Schlauchleitungen im Steilgelände sowie das Anlegen von Wundstreifen am Berghang unter den kritischen Augen der Ausbilder Hugo Tripp und Andre Zobel (beide @fire). Nach kurzer Pause absolvierten die Teilnehmer am Nachmittag des Workshops eine Einsatzübung unter realistischen Bedingungen: Während drei der in vier Gruppen (Squads) eingeteilten Teilnehmer über eine Strecke von ca. 400m bergauf einen Feuerschutzstreifen anlegen musste, bekämpfte die vierte Gruppe Flugfeuer im Rücken der anderen drei Gruppen. Durch plötzlich drehenden und auffrischenden Wind wurde diese Gruppe vom Feuer eingeschlossen, musste Zuflucht in ihren Schutzzelten (fire shelter) suchen und von den anderen drei Gruppen gerettet werden. Doch hiermit endete der Ausbildungstag noch nicht. Wenn auch viele Einsatzkräfte meinten, nach achtstündiger körperlicher Arbeit in anspruchvollstem Gelände und unter ständiger Mitführung der vollen Einsatzausrüstung von ca. 30 kg erreicht zu haben, so wurden sie von den Ausbildern über ihren Belastungsgrenzen hinausgeführt: Ein Belastungsmarsch mit der anschließenden Besteigung der Skischanze in Oberhof. „Es ist für jeden Teilnehmer wichtig, extremen körperlichen Stress zu erfahren, um im Ernstfall einschätzen zu können, wie er reagiert. Dazu gehört auch, nicht „den Helden zu spielen“, sondern rechtzeitig zu erkennen und mitzuteilen, wann es einfach nicht mehr geht. Unterbleibt dies, gefährdet der Teilnehmer im Einsatzfall nicht nur sich, sondern die gesamte Crew“, hebt Michael Herrmann (SUEWA) hervor.

Offensichtlich hatten die Ausbilder die Substanz und den Willen der Teilnehmer jedoch unterschätzt und so staunten sie nicht schlecht, als sie nach Rückkehr in das Camp eine Herausforderung zum „Wettziehen“ des GKW I des THW Suhl erhielten. In Gruppen von jeweils vier Helfern musste der GKW I über eine möglichst lange Strecke mit purer Muskelkraft gezogen werden. Es versteht sich fast von selbst, dass die Ausbilder (Hugo Tripp, Louis Evert, Andre Zobel und Michael Herrmann) die Herausforderung zwar annahmen, sich aber geschlagen geben mussten.

Am Abschlusstag mussten die Teilnehmer in zwei Einsatzübungen unter Beweis stellen, dass sie das in den Vortagen Erlernte auch unter realistischen Bedingungen anwenden können. Während sie zunächst im Steilgelände Brandinseln (spotfire) mit Handgeräten und Löschrucksäcken bekämpfen mussten, galt es im zweiten Teil unter schwierigsten Geländebedingen einen Feuerschutzstreifen anzulegen. Hierbei wurde ein Crewmitglied „verletzt“ und musste „gerettet“ werden. Während der laufenden Rettungsaktion wurde das Team vom Feuer eingeschlossen und richtig auf die Bedrohung reagieren. Diese Aufgabe meisterten die Teilnehmer zur Zufriedenheit der Ausbilder.

Nach Rückkehr in die Unterkunft des THW Suhl, Aussprache und Verabschiedung, traten die Teilnehmer den Heimweg an. Alle Teilnehmer zogen ein durchweg positives Fazit: „Kein Knochen, kein Muskel, keine Sehne ohne Schmerzen, aber jede Menge gelernt und Spaß gehabt!“

Besonderen Dank und Anerkennung zollten die Teilnehmer am Veranstaltungsende dem Team des THW Suhl um den stellvertretenden Ortsbeauftragten Ulf-Hagen Sühn, die die Teilnehmer des Workshops mit rührender Herzlichkeit verpflegten und umsorgten und so dafür sorgten, dass die Stimmung trotz aller körperlichen Strapazen nicht leiden musste.

von Michael Herrmann